Bildungsbereich: Kommunikation: Sprachen, Schriftkultur und Medien

„Die Grenzen meiner Sprache(n) sind die Grenzen meiner Welt“ (Ludwig Wittgenstein)

Überall dort, wo Menschen auf einander treffen, muss ein System zur Verständigung gefunden werden. Langläufig stellt dieses System die Sprache dar. Wir sind also von Sprache und Sprachsymbolen (Schrift) umgeben, ohne wirklich die Möglichkeit zu haben, sich diesem Zustand zu entziehen.

Auch Kinder sind vom Lautsystem Sprache und ihren Symbolen umgeben.

Jeder Mensch kommt mit dem Bedürfnis der Kommunikation auf die Welt. Babys teilen sich durch Geräusche, aber auch durch Gestik und Mimik mit. Babys entwickeln ihr „eigenes“ System, die sogenannte „Babysprache“. Schnell wird jedoch deutlich, dass die Kinder sich „unserem“ Kommunikationssystem anpassen, es im ursprünglichsten Sinne des Wortes lernen.

Von Geburt an ist der Mensch von Sprache umgeben und lernt, was Sprache bedeutet und bewirkt. Sprache wird als Teil bestimmter Handlungsabläufe verstanden.

Sprache von Zusammenhängen abhängig zu machen stellt unsere tägliche Aufgabe in der Kindertagesstätte dar. Erst später lernt das Kind, dass Sprache auch zur Verdeutlichung abstrakter Dinge genutzt werden kann (über Dinge reden, die nicht „da“ sind – Phantasieentwicklung).

Kinder lernen sprechen, um Sprache als Mittler zwischen sich selbst und den eigenen Wünschen, Zielen und Bedürfnissen zu nutzen.

Gerade weil Sprache einen so hohen Stellenwert im menschlichen Miteinander hat, legen wir großen Wert auf eine positive und erfolgreiche Sprachförderung. Kinder, die sich in ihrer Sprache nicht verstanden fühlen, fühlen sich auch in ihrer Person nicht verstanden.

Spracherwerb findet auf allen Ebenen des täglichen Lebens statt: u.a. im gemeinsamen Spiel, wo Kinder u.a. Absprachen untereinander treffen müssen; in der Musik, wo Rhythmus und Melodie zu einem Produkt werden (jede Sprache verfügt über einen eigenen Sprachrhythmus und eigene Sprachmelodie. So kommt es, dass betonte Silben und Wörter sich zuerst gemerkt und das Erinnern erleichtern.), beim Essen (wie schön kann ein Tischgespräch sein), im Morgenkreis, wo wir singen und über aktuelle Themen reden, wo Kinder ein gemeinsames Forum haben...

Sprache ist nicht nur die hörbare Mitteilung; Sprache ist auch Schrift. Buchstaben und Buchstabenverbindungen sind nichts anderes als Symbole, auf die sich geeinigt wurden, die alle verstehen. Von diesen Symbolen sind wir tagtäglich umgeben. Es beginnt bei der Morgenzeitung und endet beim „Gute-Nacht-Buch“.

Den Kindern Symbole der Sprache zugänglich zu machen (Bücher, Alphabete im Gruppenzimmer, der eigene Name in der Garderobe...) heißt nicht, ihnen Lesen und Schreiben beizubringen. Es heißt, ihnen Raum für Erkundungen, Fragen und Verstehen zu geben – das ist in all unseren Bemühungen oberstes Ziel.